Auszüge:

Alles ist in Bewegung... in den Bildern von Sophie .Man blickt wie durch ein Mikroskop auf eine wabernde Ursuppe oder gleichsam durch eine Tauchglocke in die Untiefen des Ozeans . Der Raum wird allein durch die Farbe bestimmt, er ist ohne Begrenzung . Darin schwimmen , schweben , tauchen und taumeln seltsam Metamorphe Wesen , halb Fisch ,halb Mensch ( " Metamorphose 2003 ). Ihre Umgebung ist ein brodelndes Gemisch aus Feuer und Wasser , Wärme und Kälte .Mal dringt das Licht von oben ins Dunkel ,kann aber die schwarzblaue Tiefe nur spärlich erhellen .Mal streben die Taucher auf ein phantastisches Leuchten zu ,das sich vom Meeresgrund her ausbreitet .Hoffnung in der unendlichen Tiefe? Flucht aus einer immer unwirklicheren Welt ? Unruhe breitet sich aus ,und doch: die kleinen zappelnden Fischmenschen wirken nicht verloren . Ihre Suche nach Wahrheit, nach Ganzheitlichkeit hat auch etwas beruhigendes .Entstehung der Welt, Zukunftsvision' Oder auch : Anfang und Ende ,Heil oder Untergang ,Verwandeln und Bewahren . (Martina Scherf,Kunstkritikerin und Journalistin ( Süddeutsche Zeitung ) in München)


" Rätselhafte Ereignisse bestimmen Inhalt und Gehalt der Ölbilder von Sophie . Sensibel und Kraftvoll eingesetzte Farben bilden eine Metamorphose mit ihrer Figuration : Eine Vision von Geborgenheit und grenzenloser Freiheit findet in diesen Bildern eine Erfüllung ".
( Gudrun Bouchard , Auszug aus der Öffnungsrede im Goethe - Institut München, 2006 )


..." Es sind diese wogenden ,explodierenden Farben und die dazu in Kontrast gesetzten irritierend zarten Konturen ,die den Betrachter nicht mehr loslassen. Aus der Tiefe des Meeres strömen winzige Wesen herauf ,halb Mensch ,halb Fisch ,werden von einer wie verzauberten Lichtfläche angezogen , in die sie nach einer unendlich langen Reise endlich bald eintauchen dürfen ." ( Rafael Sala , Münchner Merkur)


..." Verbindendes Hauptmotiv all ihrer Werke : das Meer . In diesem Fluidum jenseits realer Schauplätze spielen die unwirklichen Geschichten der verwandelten Figuren . Sie tauchen ab . Ins Wasser , in das Meer des Unbewussten . Es sind stille , intensive Bilder , die eher bei vertieftem Betrachten ihre starke Kraft entfalten . Dynamik entlädt sich in der Dramaturgie der Choreographie ( Elisabeth Brandl, Münchner Merkur )





Samstag/Sonntag,5./6. September 2009 Nr. 204 / Seite 53



AUSSTELLUNG IN DER GALERIE IM RAUM _______________________________________

Meeresmetamorphosen

„Die endlose Weite der Meere steht für den Freiraum, die Geborgenheit - und den Standpunkt des Künstlers, denn wir alle brauchen eine Rückzugs-möglichkeit, die im Einklang mit der Natur stehen sollte”, sagt die freie Malerin Sophie Hertlein, die sich nur Sophie nennt. Geboren in Chemnitz, floh sie 1986 aus der DDR, ließ sich in Ingolstadt zur Steinbildhauerin ausbilden und in München bei Helmut Vakily von der Autoren-Galerie zur Kunstmalerin. Seit Jahren befasst sich Sophie mit den „rätselhaften Ereignissen einer auf dem Meeresboden möglichen Existenz und deren Verwandlungsprozessen”. Ihre Werke, darunter auch das Ölbild „Meeresmetamorphosen” (Foto), das der Ausstellung den Titel gab, sind derzeit in der „Galerie im Raum” zu sehen, fri/oh




Münchner Künstler
Sophie - Die junge Frau und das Meer

„Meeresmetamorphosen” hieß die Ausstellung mit Bildern der Malerin Sophie, die an einem heißen Sommerabend Tiefseeimpressionen nach München brachte. Ort der im Ferienmonat August geradezu sensationell gut besuchten Vernissage war die von Volker-Harald Preindl iniziierte „Galerie im Raum”. Die Blautöne der Bilder ließen selbst das Schaufenster in der Herzog-Rudolf-Straße wie ein Meeresaquarium wirken. In dem Bild „Auf eine Zigarette” kreisen Schwärme von Haien gleichsam über den Köpfen der Betrachter. Wie Ruinen einer versunkenen Stadt wirkt der Säulenbogen in dem Bild „Unterwegs zu den Haien”. Doch bei näherer Betrachtung - und eine nähere Betrachtung lohnt sich bei Sophies Bildern immer! - erkennt man schattenhaft und klar konturiert menschliche Gestalten: einen Mann mit Hut, der um die Ecke schleicht, oder, in anderen Bildern, Golfspieler, Reiter, die sich in den unterseeischen Landschaften inmitten von Haifischen tummeln. Manchmal auch die Ahnung eines Tauchers, wie sie in früheren Bildern der Malerin zu entdecken waren, oder, in dem Bild „Lieben Sie Türkis”, auch ein verstörendes Mischwesen, halb Hai, halb Pferd. Wie bei einer fotografischen Mehrfachbelichtung schiebt sich die Sphäre menschlicher Freizeitgestaltung über die endlose Weite des Meeres, die durch konstruktivistische Elemente begrenzt aber keineswegs verengt wird. Freiheit und Bedrohung finden sich gleichermaßen in diesen Bildern. Sophie schafft in ihren Werken nebelhaft leuchtende Farbräume von großer Intensität. Das Licht, dessen Wirkung sie mit großem Können gestaltet, changiert zwischen wolkenhaften Himmelserscheinungen und Lichtreflexen unter dem Meer. So ist es in diesen Bildern nicht so sehr der Mensch, der sich - wie in den Ovidschen Metamorphosen beschrieben - verwandelt, sondern das Meer selbst.

(Heribert Riesenhuber  "UND" Das Münchner Kunstjournal, Dez. 2009)



In seiner Interpretation übersetzt Heribert Riesenhuber sehr einfühlsam in den oberen Zeilen die Bildsprache von Sophies Werken. Sophies Bildsprache hat einen tiefen Hintergrund, der jeden von uns zumindest in den Tiefen unseres Unterbewusstseins bewegt, ohne dass wir es bewusst merken, weil oft unerreichbar, ebenso wie die endlosen Tiefen des Meeres. Dennoch ist ein Gefühl da und zwar ein gemischtes Gefühl. Sophie, in der DDR in Chemnitz in dem Jahr geboren, in dem Kennedy an der Berliner Mauer sprach, hat die Freiheit zu ihrem Thema gemacht. Nicht nur als Künstlerin, sondern auch real in ihrem Leben als sie unter Gefahren und Bedrohung 1986 die Flucht aus der DDR wagte. So gehört zu ihrem Leben und zu ihrer Kunst nicht nur die Freiheit, die die Weite und die Geborgenheit der Meere durch seine Unendlichkeit spiegelt, sondern auch die lauernden Bedrohungen in dieser freien Geborgenheit, die die Künstlerin durch den Hai symbolisiert, ein ästhetisches und intelligentes Wesen, das gar nicht zur Bedrohung werden muss, wenn man es versteht, im Einklang mit der Natur mit diesem Wesen umzugehen. So siegt in Sophies Bildern die Freiheit wie auch in ihrem persönlichen Leben, obwohl oder gerade weil sie den Weg der Gefahr und der Bedrohung über die Flucht in die Freiheit wagte und gewonnen hat. Sie selber sagt über ihre Kunst: „Die endlose Weite der Meere steht für den Freiraum, die Geborgenheit und den Standpunkt des Künstlers, denn wir alle brauchen eine Rückzugsmöglichkeit, die im Einklang mit der Natur stehen sollte und nicht ohne sie.”
Nach einer Ausstellung letzten Herbst im Burgenland und in Wien und sechs Ausstellungen dieses Jahr in München, sind Werke von Sophie noch bis 16.10. in der Galerie im Kloster im Lehel zu sehen.

(Matthias Schüßler  "UND" Das Müchner Kunstjournal, Dez.2009)